Wenn das Familientreffen eskaliert…

Lesezeit: 7 Minuten

Kurz vorweg: Dieses Mal habe ich leider keine Antwort auf diese Frage. Mir ist Ehrlichkeit + Authentizität sehr wichtig, deswegen habe ich mich dazu entschieden diesen Blogbeitrag zu schreiben. Zu zeigen, dass auch ich nicht perfekt bin, dass es auch bei mir traurige Momente gibt. Ich nicht auf alles eine Antwort habe + auch nicht immer eine Lösung parat habe. Es ist Montag + ich sitze hier am Schreibtisch wie Falschgeld. Wie kann ich ein happy.business führen, wenn ich nicht happy bin? Nach ein paar administrativen Aufgaben, die mal so gar keine Emotionen von mir erfordern, sitze ich nun hier + schreibe meinen Blogbeitrag zum vergangenen Wochenende in meiner Heimat. Mit der Hoffnung, dass es mir hilft, meine Gedanken+ Gefühle raus zu lassen. Euch zu zeigen, dass ihr nicht alleine seid. Ob es hilft? Ich weiß es nicht. Wir werden es sehen.

Und hier kommt nun meine "Geschichte":

Die Vorstellung eines harmonischen Familientreffens

Ein langes Wochenende ist für uns immer eine Gelegenheit meine Familie zu besuchen, die 400 km von uns entfernt wohnt. Gerade jetzt war es für uns wichtig, meine Familie noch mal vor der Geburt unseres Kindes zu sehen. Da ich nicht weiß, wie ich hochschwanger eine lange Autofahrt vertragen werde. Das Wochenende stand erst schon aufgrund einer Krankheit auf der Kippe, doch wir freuten uns alle, dass die Diagnose widerlegt + wir alle uns sehen konnten. Einen Tag später, als geplant fuhren wir also hoch zu meiner Familie. Ich freue mich immer sehr meine kleinen Nichten + Neffen zu sehen + Zeit mit meiner Mutter + Geschwistern zu verbringen.

Seit dem plötzlichen Tod meines Vaters vor über 5 Jahren, ist es Zuhause allerdings immer etwas angespannt. Das weiß ich auch + nehme mir jedes Mal fest vor, dass ich mich davon nicht beeinflussen lasse. Ich bin in einem alten Haus, auf dem Land, mit einem großen Grundstück aufgewachsen. Es war immer viel zu tun. Meine Eltern hatten sich in den letzten Jahren zu einem super Team entwickelt + konnten die Arbeit gut bewältigen. Jetzt fehlt da jemand!

Ich mag Lösungen + keine Probleme

Ich selbst bin eine Person, die in Lösungen denkt. Bin nicht der typisch weibliche Typ, der Menschen tröstet, indem er sie bemitleidet, sie in allem bestärkt + in den Arm nimmt. Ich bin jemand, der Menschen zwar in den Arm nimmt, aber gleichzeitig darüber nachdenkt, wie er schnell aus dieser Situation wieder raus kommt. Wie können wir oder die Person selbst das Problem beheben? Welche Möglichkeiten gibt es, damit es ihr schnell wieder besser geht + im besten Fall, so eine Situation nicht nochmal auftritt? Deswegen fällt es mir auch schwer, mit Menschen zusammen zu sein, die sich in ihre große Problempfütze setzen + sich ihr trauriges Spiegelbild ansehen. Ich möchte dabei helfen, dass sich jemand wieder freuen kann, die schönen Dinge im Leben genießen + auf sich selbst achten kann. Meiner Mutter zum Beispiel.

Hier stimmt doch was nicht

Ich merkte schon nach wenigen Stunden unserer Ankunft am Donnerstag, dass meine Mutter in einer negativen Stimmung war. Es wurde über banale Dinge diskutiert + auch eher über negative Themen gesprochen. Ich habe im Auto noch zu meinem Mann gesagt, dass wir dieses Mal nicht auf Diskussionen eingehen + uns bitte nicht anstecken lassen sollen. Ich habe mich wirklich zusammen gerissen. Am Donnerstag Abend, am Freitag + auch noch am Samstag Vormittag.

Wir hatten einen festen Programmpunkt für das Wochenende, den Samstag in meine Lieblingsstadt nach Holland zu fahren. Leckere Pralinen auf dem Markt kaufen, etwas bummeln, vielleicht etwas schönes für den Bauchbewohner zu kaufen + überhaupt einfach mal wieder den holländischen Flair zu spüren. Anders als geplant, fuhren wir mit meinen beiden Schwestern alleine dort hin, ein Mann war krank Zuhause, der andere blieb zusammen mit meiner Mama bei den 4 Kindern. Wir hatten wirklich eine sehr schöne Zeit. Alles, was wir wollten, haben wir gemacht, die zwei Mamis haben die Stunden für sich genossen + ich war froh, dass wir mal wieder nur als Geschwister zusammen waren. Nach einem wunderschönen Tag, der länger dauerte, als ich es gedacht hätte, fuhren wir wieder zurück zu Mama. Wir waren entspannt + freuten uns, nun noch den Abend gemütlich zusammen zu verbringen.

Die Explosion + ihre Folgen

Nach dem gemeinsamen Essen sollte die Idylle dann vorbei sein. Es war nur ein Satz, der alles eskalieren lies. Ich bin geplatzt! Was passiert war? Meine Mutter war überlastet, die vielen Kinder, die Tatsache, dass wir später als geplant nach Hause gekommen sind. Eine falsche Anspielung von meinem Mann... Es kam so eins zum anderen. Was mich aber hat platzen lassen war ein Satz. "Heute mache ich gar nichts mehr, den Koffer muss ich morgen früh packen. Wenn euch das zu spät wird, dann müsst ihr halt ohne mich fahren." Der Plan war nämlich, dass Mama eine Woche mit zu uns kommt. Wir gemeinsam den Kinderwagen kaufen + auch sonst uns ein bisschen auf das Baby vorbereiten. Ich bin ausgeflippt, weil wir noch überhaupt keine Zeiten festgemacht hatten, wann wir fahren (nur das Frühstück bei meiner Schwester stand fest - ohne Uhrzeit). Meine Gedanken: "Was ist das denn wieder für eine patzige Reaktion? Warum sollten wir alleine fahren? Wieso redet sie immer so, als wäre sie über? Wie ein kleines Kind!" Aufgebracht habe ich sie auch gefragt, was das jetzt soll, warum sie das so sagt + warum wir alleine fahren sollten.

Und da saß sie dann in ihrer Problempfütze, klatschte mit ihren Händen trotzig das Wasser nach oben + schaute sich ihr selbstbemitleidendes Spiegelbild an. Sie fühlte sich von mir angegriffen, weil sie ihre Erschöpfung äußerte. Erklärung war sinnlos. Es wurde geschriehen, vorgeworfen + geweint. Sie sah sich als Opfer, hilflos, unbedeutsam + davon ausgehend, dass wir nur das schlechte für sie wollen. Sie niemand versteht + sie es sich nicht erlauben darf, Schwäche zu zeigen. Ich habe ihr versucht zu erklären, dass es mir nicht um ihre Erschöpfung ging, sondern, dass es darum ging, wir sollten alleine fahren. Etwas ähnliches hatte sie nämlich auch schon am Vortag zum Thema Weihnachten gesagt, dort habe ich mich aber noch zurück halten können. Ein "Tse, dann feier ich eben alleine" macht mich wütend, weil dies nie eine Option wäre + auch nicht das Gespräch konstruktiv voran bringt.

Wenn nichts hilft

Es hat 2 Stunden gedauert, bis wir entschlossen noch an dem Abend alleine zurück nach Würzburg zu fahren. Meine Schwester hat versucht, ihr die Situation zu erklären, nach eine Auszeit, habe ich es versucht, aber es endete immer wieder in Diskussionen + Vorwürfen. Dann stand mein Entschluss fest - wir fahren nach Hause. Mein Magen zog sich zusammen, ich war traurig, dass wir keine gemeinsame Zeit verbringen konnten + es tat mir unheimlich leid, meine Mama alleine zurück zu lassen. Aber gleichzeitig habe ich keine harmonische Woche zusammen mit meiner Mutter gesehen. 2 Stunden habe ich darüber nachgedacht, habe der Versöhnung noch eine Chance gegeben. Aber durch die Reaktion auf meinen Erklärungen, fühlte ich mich nicht ernst genommen + schon gleich nicht verstanden. Als hätte ich es einem Schrank erzählt. Dann kamen Gedanken: Wie wird es weiter gehen? Was ändert sich an dem Verhältnis zwischen meiner Mama + mir?

unHAPPY to can't be HAPPY

Ich bin gleichzeitig enttäuscht + wütend, dass ich es nicht schaffe, meine Mutter dabei zu helfen, ein glückliches Leben zu führen. Sich selbst zu lieben + sich von all dem Selbstmitleid zu befreien. Einen Angehörigen zu therapieren ist fast unmöglich + doch kann ich nicht mit ansehen, wie schwer sie sich das Leben macht. Immer wieder versuche ich sie in eine Therapie zu bringen. Sie davon (behutsam) davon zu überzeugen, dass ihr das gut tun würde. Sie war schon in einer Klinik + anschließend bei einem Psychologen, aber leider hat es nicht den gewünschten Erfolg erzielt. Klar ist es aus der Entfernung schwer, aber bei jedem Telefonat versuche ich sie in eine positive Richtung zu schubsen - vergeblich. Heute Morgen habe ich sie angerufen, das sie mir per E-Mail schrieb, sie wäre gerne bei mir. Ich dachte, wir könnten uns versöhnen + sie würde vielleicht doch noch mit dem Zug nachkommen. Leider ist das Gespräch anders verlaufen, als erhofft + es ging mir wieder schlechter als vorher. Das war der Moment, als ich mich für diesen Blogbeitrag entschieden habe.

Jeder erzählt dir, dass du dich von negativen Menschen befreien sollst. Und auch ich finde das richtig. Das funktioniert auch super, solange sie nicht zu deiner engen Familie gehören. Niemand sagt dir aber, wie du mit einem Familienmitglied umgehst, was in einer negativen Wolke schwebt, dich mit Negativität ansteckt. Freundschaften + Bekanntschaften kann ich kündigen. Meine Mama aber nicht, möchte ich auch nicht. Was ich will ist, dass sie glücklich ist. Aber das schaffe ich nicht, nicht mit den Mitteln, die mir gerade zur Verfügung stehen. Ich fühle mich hilflos, wie in einem Alptraum. Ich möchte helfen, etwas tun, aber ich kann nicht. Es zerreist mir das Herz.

Meine Erkenntnis

Ich für mich habe erkannt, dass es wohl besser ist, den Fokus auf mich zu legen. Ich muss mehr an mir arbeiten, dass ich resistenter werde. Besser damit umgehen kann, wenn es meiner Mutter (+ auch anderen Menschen) schlecht geht. Ich habe festgestellt, dass ich sehr schnell merke, wenn eine Stimmung kippt oder es jemandem nicht gut geht. Bislang dachte ich, dass das eine gute Eigenschaft ist, dass es wertvoll ist zu sehen, wenn etwas nicht so läuft. Dieses Wochenende hat mir aber gezeigt, dass dadurch auch schnell Situationen eskalieren können. Während etwas resistentere Menschen einfach kleine Unstimmigkeiten oder Stimmungsschwankungen gar nicht wahrnehmen + so über die Situation hinaus einfach weiter machen, schlägt es bei mir schon Alarm. Kombiniert mit dem Drang Probleme zu lösen, kann es schnell zu Missverständnissen + Auseinandersetzungen kommen.

Ehrlich gesagt, weiß ich nicht, wie es nun weiter geht. Ich versuche mit diesem Blogbeitrag, dieses Erlebnis abzuschließen. Zumindest soweit, dass ich wieder an meinem Traum arbeiten kann. Dass es sich wieder richtig anfühlt, wenn ich über das glückliche Leben schreibe + ich dich mit meiner positiven Energie anstecken kann. Denn das ist es, was ich möchte. Positivität verbreiten, für alle, die sie zulassen + annehmen möchten/können.

#makingithappy das ist das Thema diese Woche. Denn jetzt geht es darum, mich wieder aufzupeppeln. Wie ich das mache? Ich werde den Druck rausnehmen, mir mehr Zeit für Dinge gönnen, die mir gut tun. Alles was mich stört oder worauf ich keine Lust habe, hat diese Woche (oder die nächsten Tage) keinen Platz. Da wo ich die Wahl habe, entscheide ich mich für das Positive, das was mich glücklich macht, was ich gerade brauche. Ich werde Erfolgserlebnisse sammeln + feiern. Denn wenn ich nicht glücklich bin, kann erst recht keinen anderen dabei helfen.

 

 

 

2 thoughts on “Wenn das Familientreffen eskaliert…

  1. Hey danke für deine ehrlichen Worte über das was Dich zur Zeit bewegt. Ich kenne es selbst zu gut, wie schwierig es ist sich abzugrenzen wenn es einem in der Familie nicht gut geht. Wie schön, dass du für Dich erkannt hast, dass es wichtig ist bei dir zu bleiben und zu schauen was Dir jetzt gut tut.
    Und ich finde es auch genauso wichtig aufzuzeigen dass nicht immer alles happy. ist. Es geht auch nicht darum immer happy zu sein. Das ist kaum möglich. Dafür sind wir Menschen zu verschieden und es gibt so viel mehr zu erleben als Glück 🙂
    Ich sende dir viel Kraft um bei dir zu bleiben.
    Alles Liebe
    Vivienne
    Meinherzensweg.Feinfühlich

    1. Hallo liebe Vivienne,
      vielen Dank für deine Worte. Ja, darum geht es wirklich nicht. Den Anspruch habe ich auch nicht an mein Leben. Ohne Regen keine Sonne oder Regenbogen. Es gehört dazu, dass es schlechte Tage + Konflikte gibt. Es wird nur gerne nach Außen hin so gezeigt, als wäre es möglich immer glücklich + zufrieden zu sein. Und das ist genau das, was mich zweifeln lässt. Zu zeigen, dass es mir nicht gut geht ist das eine, eine Hürde war es allerdings, diesen Text wirklich zu veröffentlichen. Weil ich mir nicht sicher war, ob es der richtige Weg ist. Aber ich habe mich dafür entschieden, weil ich mit meinem Text den Menschen, die diese Situation kennen, zeigen möchte, dass sie nicht alleine sind. Ein Mutter (Vater)/Tochter-Konflikt ist leider nicht sehr selten + hat in meinem ganzen Leben auch immer schon eine Rolle gespielt. Mal mehr, mal weniger. Ich wünsche dir noch einen schönen Abend + Danke nochmal. Liebe Grüße, Judith

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