Schenken + Sein – Meine weihnachtlichen Gedanken zum Fest

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Noch eine Woche, dann ist Heilig Abend. Ein Fest der Liebe, wie es so schön heißt. Doch ist es das wirklich? Hat die Liebe die höchste Priorität in diesen Tagen? Oder liegt der Fokus doch eher auf Perfektionismus, die Weihnachtsgans, das perfekte Geschenk oder das Timing bzw. der reibungslose Ablauf dieses Tages?

Das Fest der Liebe

Den Gedanken von Weihnachten liebe ich sehr, doch habe ich gerade in diesem Jahr das erste Mal so richtig bewusst wahrgenommen, wie sehr diese Magie mit jedem weiteren Jahr verloren gegangen ist. Das Zusammensein steht nicht mehr im Vordergrund + auch nicht das Schenken von Herzen. Das Schenken ist eher ein Abarbeiten von Wunschlisten. Selbst wenn man eine tolle andere Idee hat, traut man sich kaum diese zu verschenken, weil es ja nicht explizit gewünscht wurde. Und wenn man sich doch traut, gibt es enttäuschte Gesichter. Das ist nicht das Schenken, was ich als Kind + als Jugendliche so geliebt habe. Damals war ich aufgeregter, was der oder die Beschenkte zu meiner Idee sagt, als was ich zu Weihnachten wohl bekommen würde.

Ich kann mich noch daran erinnern, dass ich mir früher mal eine Pharao-Lampe gewünscht habe für mein Zimmer. Sie war in Pyramidenform + verfolge deinen Blick in jede Richtung. Unbedingt wollte ich sie haben, aber sie lag nicht unter dem Weihnachtsbaum. Schade, dachte ich, aber es gab ja doch noch andere schöne Geschenke. Anscheinend habe ich immer wieder mal von ihr gesprochen, nicht mehr auf den Wunschzettel geschrieben, aber sie zwischendurch erwähnt. Ein Jahr später lag sie dann doch unter dem Weihnachtsbaum + ich möchte fast wetten, dass ich mehr darüber gefreut habe, als ich es vor einem Jahr getan hätte. Denn ich habe gar nicht mehr damit gerechnet, diese Lampe doch noch zu bekommen. Ist das nicht schön? Dieses Strahlen in den Augen des Beschenkten zu sehen, diese Überraschung, die im Gesicht geschrieben steht?

Die Kunst des glücklichen Schenkens

Ich habe mir dieses Jahr fest vorgenommen, wieder aus dem Herzen zu schenken. Ich finde es auch schön, etwas selbstgerechtes zu verschenken, solange man sich Gedanken macht. Ein Glas Marmelade oder selbstgestrickt Socken sind super, solange der oder die Beschenkte dies auch gerne mag. Mir kann man eine so große Freude machen, wenn man mir einfach zuhört + vielleicht mal den ein oder anderen Wunsch aufschnappt, den ich so über das Jahr verteilt äußere. Ich freue mich auch über Küchengeräte, die ich mir selbst so nie kaufen würde + sie mir beim Kochen mehr Freude bereiten. Wichtig ist für mich, dass man sich Gedanken macht. Gedanken über die Hobbys, Vorlieben, Wünsche + Persönlichkeiten. Wenn sich jemand permanent über etwas ärgert, wäre es vielleicht schön, ihm eine Lösung für sein Problem zu schenken. Verstehst du, was ich damit meine?

Ich möchte wieder so schenken, wie ich es früher getan habe + auch die Magie des Gebens in mir spüren. Klingt das egoistisch für dich? Schenken oder Geben ist großartig + das Geheimnis des Zusammenlebens. Und das alles ohne alles gegeneinander aufzurechnen oder Buch darüber zu führen, wer ich wem, was alles schon geschenkt habe. Schenken ist eine Bauchsache, bei der der Kopf gerne beratend, aber nicht kontrollierend zur Seite stehen darf.

Zeit anstatt Konsum

Gerade gestern habe ich noch im Radio gehört, dass sich die Mehrheit der Menschen Zeit mit ihren Liebsten zu Weihnachten wünschen. Ich finde das richtig schön, dass die Zeit vielen wichtiger geworden ist als Konsum. Doch fällt es mir tatsächlich sehr schwer Zeit zu verschenken. Wobei ist es nicht das Schenken selbst, sondern die Ausführung, dann später im Jahr. Mein Mann + ich haben es so oft schon versucht. Konzertkarten, Gutscheine für einen tollen Tag, Zirkuskarten, Essen gehen, Kurztrips... Leider ist aus den meisten Unternehmungen nichts geworden. Wir haben schon MyDays-Gutscheine verfallen lassen - einfach weil wir nicht daran gedacht haben oder halt eben zu spät. Aber auch klar datierte Veranstaltungen, wie Konzerte oder Zirkuskarten wurden dann kurzfristig vom Veranstalter abgesagt.

In selbsterstellten Gutscheinen war ich schon immer super schlecht. Jeder kennt diese Gutscheinhefte, die man als Kind seinen Eltern geschenkt hat. Ich glaube 99% wurden davon niemals eingelöst. Dabei finde ich den Gedanken dahinter super schön, bin nur in der Hinsicht nicht ganz so zuverlässig. Vielleicht denke ich noch 1-2 Mal daran, doch dann im Laufe des Jahres vergesse ich es total. Ich habe mich auch schon oft gefragt, wer für das Einlösen solcher Gutscheine „verantwortlich“ ist. 😉 Eigentlich ja der Besitzer, oder? Immerhin würde ein Geschäft dich auch nicht regelmäßig daran erinnern, dass du ja noch einen Gutschein bei ihnen hast, den du noch einlösen „musst“. Interessanter Gedanke…

Worauf kommt es wirklich an Weihnachten ankommt

Aber nochmal zurück zum Thema zusammensein. Zeit verschenken. Den Fokus darauf legen, dass man eine schöne Zeit zusammen verbringt, egal welches Essen auf dem Tisch steht oder ob der Weihnachtsbaum gerade etwas schief ist. Es sollte doch egal sein, wo man feiert oder wie, Hauptsache man ist zusammen + zufrieden. Wenn ich sehe, wie die Anspannung vor Weihnachten + teilweise noch während der Feiertage minütlich steigt, finde ich das manchmal echt befremdlich. Klar, man will alles schön haben, aber muss es denn immer perfekt sein?

Für uns ist Weihnachten dieses Jahr komplett anders. Es ist das 1. Mal, dass ich nicht mit all meinen Geschwistern zusammen feiere, so gar nicht. Auch feiern wir zum ersten Mal nicht in meinem Elternhaus in der Heimat, sondern kommt meine Mutter + meine Schwester mit Family zu uns zu Besuch. Es ist alles total neu für mich + ich mache mir um einige Dinge das erste Mal Gedanken. Wie zum Beispiel: Wie soll der Tannenbaum geschmückt werden, was gibt es zum Essen, in welche Kirche gehen wir? Wird es den anderen gefallen? Werden wir mit meiner anderen Schwester an Heilig Abend telefonieren, obwohl wir an Heilig Abend immer auf Medien verzichtet haben? Auch ich möchte es so schön wie möglich machen. Möchte, dass es meiner Familie gefällt. Ich werde meine Schwester + ihre Familie vermissen, kann ihre Entscheidung aber auch sehr gut verstehen. Dieses Weihnachten wird besonders, einfach, weil es anders ist. Ich freue mich darauf + doch bin ich etwas aufgeregt, wie die Stimmung sein wird.

Ich möchte ein Weihnachten voller Glücksgefühle

Die letzten Jahre Weihnachten waren nämlich nicht so richtig einfach, seitdem Papa nicht mehr da ist. Aber ich habe mir auch eine Sache ganz fest vorgenommen. Ich möchte es so einfach wie möglich halten. Kein Stress wegen dem Essen, keine großen Erwartungen. Wir lassen Heilig Abend so geschehen, wie es kommt. Werden ein paar Traditionen aus meiner Kindheit beibehalten, aber auch den Umständen entsprechend, manche Dinge anders machen. Ich bin froh, dass wir fast alle zusammen sind + dass ein Teil meiner Familie bereit war, die Veränderung anzunehmen + von ihren Gewohnheiten abzuweichen. Es ist nicht leicht, wenn man 70 Jahre im gleichen Haus, ja sogar im gleichen Raum Weihnachten gefeiert hat.

Weihnachten ist das Fest der Liebe, so reden zumindest alle davon. Ich möchte diese Liebe wieder zurück in unser Weihnachtsfest bringen. Mehr den Fokus auf uns legen, als auf das Drumherum. Rituale einführen, die uns als Familie wieder mehr zusammenwachsen lassen. Vielleicht fällt mir dazu etwas ein, was auch für andere Menschen hilfreich sein kann. Ich denke mal darüber nach. Denn in meinen Vorstellungen erlebe ich ein Fest, dass mit Achtung, Respekt, Achtsamkeit, Freude + Weihnachtsduft gefüllt ist. Stress, Erwartungen + Streit haben dort keinen Platz. Klingt gut oder? Finde ich auch.

In diesem Sinne wünsche ich dir, dass auch du vielleicht mal deine Weihnachtsgedanken schweifen lässt, dir überlegst, was Weihnachten für dich bedeutet + was du vielleicht ändern kannst, damit es Stück für Stück mehr deinen Träumen entspricht. Lass es dir gut gehen + habe ein paar schöne Tage!

Glückliche Weihnachten,

deine Judith

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