Wo ist er denn, dieser perfekte Moment?

Es gibt schon einen sehr persönlichen Blogartikel von mir, der sich so zum Ende hin mit dem Thema „Auf den richtigen Moment warten“ beschäftigt. Weil ich es satt hatte zu warten, habe ich im März den großen Schritt gewagt und mir meinen Traum erfüllt. Ich habe auf mein inneres Feuer gehört und mich selbstständig gemacht.
Und nun, ziemlich genau anderthalb Monate später, sitze ich hier und schreibe wieder über das Warten und über den perfekten Moment. Eigentlich sollte man denken, dass ich es inzwischen verstanden habe, dass es nur Zeitverschwendung ist zu warten. Und doch erwische ich mich ständig dabei, Dinge nicht zu tun, weil ich glaube, dass es noch nicht perfekt ist. Und ich schreibe ganz bewusst „erwischen“, weil sich dann in mir ein kleines Gefühl von früher einschleicht: „Mist ertappt!“

Alles kommt zu seiner Zeit

Jetzt rede ich davon, dass es den perfekten Moment nicht gibt und dass das Warten pure Zeitverschwendung ist. Und während ich das so schreibe kommt ein Satz in mir auf: „Alles hat seinen richtigen Moment, alles kommt zu seiner Zeit!“ Hä? Wie jetzt? Was denn nun? Soll ich jetzt auf den richtigen Moment warten oder nicht? Ich für mich mache da ganz gerne einen Unterschied. Bei Dingen, für die ich brenne, wo ich genau weiß, dass ich sie gerne machen möchte, da trifft dieser Spruch einfach nicht zu. Es gibt aber Sachen, für die gibt es wirklich einen richtigen Moment.

Ich habe hier ein kleines Beispiel:

2015 war in auf Reha und ich habe dort gehört, dass es die Möglichkeit gibt, sich das Rauchen abzugewöhnen. Herr heidee ist Nichtraucher und irgendwie wollte ich es ihm zu Liebe gerne aufgeben. Ich habe es mit Akkupunktur versucht und noch ein weiteres Mal mit Hypnose. Als ich aus der Sitzung kam, habe ich das Doppelte geraucht als vorher. Da hat wohl was nicht geklappt. Irgendein Teil in mir, wollte das Rauchen noch nicht aufgeben. Es hat sich auch ein Stück weit wie eine Stütze angefühlt. Mein Therapeut sagte in der nächsten Sitzung dann zu mir, dass es jetzt gerade einfach nicht meine Baustelle ist. Es gibt zu viele andere, wichtigere Dinge, die ich erst angehen muss und unterbewusst auch wollte.

Ich habe mich in den letzten 2 Jahren in Gedanken immer wieder damit beschäftigt, wie ich aufhören kann zu rauchen. Habe irgendwelche Apps heruntergeladen oder Bücher gekauft, aber nichts hat funktioniert. Letztes Jahr, als ich dann die zwei OP’s hatte, kam wieder das Gefühl auf, dass ich jetzt unbedingt aufhören sollte. Dadurch, dass es mir aber direkt nach der ersten OP schon wieder so gut ging, habe ich einfach weiter gemacht. Dann irgendwann vor der 2. OP gab es die Kombination aus erhöhter Zigarettenpreis und Schachtel leer. Ich wollte keine 6 Euro für eine Schachtel ausgeben und da dachte ich mir, ich kann es ja mal bis zum nächsten Morgen noch mal versuchen, zur Not fahre ich halt nochmal los.

Geht doch

Das ist jetzt schon über ein halbes Jahr her und ich bin noch nicht losgefahren, um mir eine neue Schachtel zu kaufen. Erstaunlicher Weise fiel es mir noch nicht mal besonders schwer. Und genau da kommt für mich der richtige Moment ins Spiel. Oder vielleicht trifft es „die Zeit war reif“ besser. Ich habe gar nicht viel Druck dahinter gesetzt und ich habe es geschafft. Vorher hat es sich die ganze Zeit nicht richtig angefühlt und da bringt es auch nichts etwas zu erzwingen. Zwang hat bei mir immer schon das Gegenteil bewirkt.

Und warum träumen wir jetzt alle noch von dem perfekten Moment?

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Jetzt gibt es aber doch so viele Dinge, die wir aufschieben, obwohl das Feuer der Leidenschaft dafür in uns brennt. Sachen, die wir sooo gerne machen möchten, aber glauben, dass der Moment noch nicht der richtige ist. Und warum ist das so?

Das ist ganz einfach erklärt – wir haben Schiss! Das ist jetzt vielleicht nicht das, was wir hören wollen, aber das, was es ist. Wir haben Schiss Regeln zu brechen, die wir irgendwann mal, meisten in unseren Kinderjahren auferlegt bekommen haben. Oder was noch viel öfter vorkommt, es sind Regeln, die wir uns selbst in unserem Kopf zusammenbrauen. Aus Angst davor, was andere denken können oder weil du aus der Masse herausstechen könntest. Ich habe meinen eigenen Schiss, sie ist weiblich und sie heißt Muffe. Sie mag es nicht alleine zu sein, hat gerne eine Bestätigung in ihren Entscheidungen und legt viel Wert darauf, was andere sagen oder denken könnten. Sie braucht ihre Base, in der sie sich sicher fühlt. Muffe möchte immer alles richtig machen und steht nicht so auf Trouble.

Oft hindern wir uns daran das zu tun, was wir lieben, weil wir annehmen, dass es unvernünftig ist, es sich nicht gehört oder nicht dem Standard entspricht. Es klingt schon etwas ausgelutscht und kitschig, aber es ist einfach so: Das Leben ist wirklich zu kurz, um zu warten. Das Leben ist jetzt und nicht dann irgendwann. Und trotzdem habe ich immer noch diese Momente, in denen ich von dem perfekten Moment träume. Ich träume von dem perfekten Moment, Sport zu treiben, mit einer Diät zu beginnen, mehr in die Läden zu gehen, um meine Produkte zu vertreiben, alleine für ein paar Tage wegzufahren…

Hey Muffe, du bist aber groß geworden

Es gibt zig Dinge, die ich gerne machen möchte, aber irgendwas in mir hält mich auf. Und wenn ich dann so in meinem „Ich-möchte-gern-Wald“ spazieren gehe, kommt mir wieder ganz oft meine liebe Muffe entgegen. Als sie noch klein war, konnten wir gut miteinander. Sie hat sich kurz gemeldet, ihre Bedenken geäußert und das war’s dann auch schon. Ich konnte ihr zeigen, dass es keinen Grund zur Besorgnis gibt und alles war gut.

Inzwischen ist sie, genau wie ich, schon ganz schön groß geworden und hat ihren eigenen Willen entwickelt. Das macht die ganze Sache etwas komplizierter und es erfordert viel mehr Kraft, sie zu beruhigen. Klappt auch nicht immer gut, wenn ich ehrlich bin, aber manchmal schaffe ich es. Muffe ist wirklich lieb und möchte wahrscheinlich auch nur das Beste für mich. Aber ehrlich gesagt, brauche ich mal wieder mehr Zeit für mich, damit ich wieder öfter die mutige frau heidee sein kann, der es nie was ausgemacht hat, was andere von ihr halten und immer wusste, was sie wollte.

Muffe-Kraft kann man sich antrainieren

Angst zu haben ist von Grund auf etwas Gutes. Sie beschützt uns gefährliche Dinge zu tun und lässt uns nochmal über alles nachdenken und eventuelle Gefahren abschätzen. Sie gehört zu unserem Leben dazu und ich möchte sie auch gar nicht verbannen. Vielmehr möchte ich mich aufrüsten, mehr Muffe-Kraft aufbauen. Je öfter wir nämlich Dinge tun, die uns Schiss einjagt, umso stärker werden wir.

Der Blick in meinen Kopf

Dabei gilt es mit kleinen Dingen zu beginnen und uns vor jeder Entscheidung diese Fragen zu stellen: Was hält mich davon ab? Wie kann ich es beseitigen? Was kann mir schon passieren? Und wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass es wirklich so kommen wird? Was kann mir schon passieren, wenn ich regelmäßig ins Fitnessstudio gehe und die anderen sich (falls es überhaupt dazu kommen sollte) über meine Figur lustig machen?

Es sind fremde Menschen, die mich nicht kennen und die ich nicht kenne. Dann kannten die mich nicht, wie ich vorher aussah. Also gibt es keine Gedanken wie, man ist die aber dick geworden. Außerdem gibt es genügend andere Mitglieder, die eine ähnliche Figur haben wie ich. Und höchstwahrscheinlich, konzentrieren sich alle eh nur auf ihr eigenes Training und nehmen mich gar nicht war. Die Wahrscheinlichkeit ist genauso hoch, dass sie im Laufe der Zeit sehen, wie ich mich verändert habe und sich dann positiv dazu äußern.

So sehen zum Beispiel meine Gedankengänge aus, um meine Zweifel beiseite zu räumen und meine Muffe davon zu überzeugen, dass es keinen Grund gibt, mich vom Fitnessstudio abzuhalten. Dazu stelle ich mir dann noch vor, wie sich das Ergebnis anfühlt. In diesem speziellen Fall, wie es sich anfühlt, wieder leichter zu sein, den Körper besser definiert zu haben, mit einer besseren Kondition Treppen und Berge zu gehen und in die alten Klamotten reinzupassen.
Das Gefühl ist wunderbar und ich träume innerlich schon von der Zeit, wo ich mein Ziel erreicht habe. Aber irgendwie sitze ich ja immer noch hier und bin nicht im Fitti!? Da habe ich also entweder, noch nicht alle Antworten auf meine Fragen gegeben oder ich habe der lieben Muffe gegenüber nicht genügend Überzeugungsarbeit geleistet.

Jetzt aber los – wartet nicht auf den richtigen Moment

So wie ich, hast auch du es satt zu warten. Du willst endlich leben und das tun, was du liebst. Jaaa, oh jaaa! Dann los! Nimm den Moment und macht etwas Tolles daraus. Angst zu haben ist menschlich, aber sie sollte nicht über dein Leben bestimmen. versuche es doch einmal wie ich. Gib deiner Angst einen Namen, freunde dich mit ihr an und vor allem zeige ihr, dass sie verdammt nochmal nicht immer im Recht ist. Du kennst dich selbst schon ziemlich gut und weißt, was dir gut tut.

Meine Muffe ist wie eine uralte Freundin aus dem Kindergarten, der ich für eine Weile Unterschlupf gegeben habe, als es ihr nicht gut ging. Wir waren immer füreinander da, aber jetzt gilt es, sie aufzupäppeln und wieder bereit zu machen für ihr eigenes Leben. Findet zusammen, macht Kompromisse und finde eine Basis, auf der ihr wieder gut zusammen passt. So wie früher als ihr noch klein wart. Ich wünsche dir viel Erfolg und Freude dabei und lass gerne einen Kommentar da, wie du deine Angst genannt hast.

Ich ziehe nun los und führe meine Muffe mal durch das Fitnessstudio. Sie kann sich da etwas umschauen und erkennen, dass es doch ganz in Ordnung und ziemlich ungefährlich dort ist. Schließlich hat sich der Sommer schon auf den Weg gemacht und möchte hübsche Kleider sehen. 😉

Lass es dir gut gehen und bis bald,
deine frau heidee

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Foto: @unsplash.com /Urheber: Allef Vinicius

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